3.9.2020++++++++Update++++++++Update++++++++Update++++++++Update++++++++Update++++++++Update++++++++

Da ein Transfervon Leroy Sane zu den Bayern  trotz Verletzung anscheinend nicht ausgeschlossen ist treten immer mehr Fragen auf. Ich möchte diese hier kurz beantworten.

1. Warum rennt Sane ohne Schiene und Krücken mit Vollbelastung herum?

2. Ist er schon operiert worden? Und wenn nicht, warum nicht ?

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Wie bereits im unten stehenden Blog beschrieben ist eine Schienenruhigstellung nicht notwendig. Sowohl präoperativ (vor einer möglichen Operation) als auch nach der Operation ist eine Schienenruhigstellung nicht zwingend notwendig. Lediglich wenn eine starke subjektive Instabilität im Kniegelenk  besteht wird eine Schiene angelegt  –  da es sich um einen “Anriss” handelt (siehe unten) ist davon nicht aus zu gehen.  Eine Vollbelastung ist ebenfalls vor und nach der Operation möglich. Nach einer  Kreuzbandoperation verwendet man in der Anfangsphase meist Stützkrücken. Diese verwendet Leroy im Moment nicht. Sowohl deswegen, als auch wegen Punkt 2 denke ich nicht das er bereits operiert wurde. Heißt aber nicht, dass er nicht noch operiert wird.

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Dadurch das Leroy Sane im Moment keine Krücken verwendet (aktuelle Bilder der Bild-Zeitung) ist es eher unwahrscheinlich, dass in den letzten Tage eine Kreuzbandoperation durchgeführt wurde. Stellt sich die Frage warum er denn nicht schon längst operiert wurde?

Dies ist durchaus zu erklären !

Die Problematik in Leroys Situation war es, dass man die Entscheidung hinsichtlich einer Operation erst nach mehreren Tagen getroffen hatte.

Kreuzbandoperationen werden in den ersten 3-4 Tagen nach Unfall oder nach 4-6 Wochen nach dem Unfall operiert. Dazwischen sollte man Kreuzbandplastiken auf Grund des Arthrofibroserisikos nicht durchführen. Hierbei handelt es sich um eine Verdickung des Kniebinnengewebes und damit einhergehend einem generalisierten Entzündungsprozess im gesamten  Kniegelenk mit gravierenden und langwierigen Auswirkungen. Dies sollte  tunlichst vermieden werden weshalb die oben genannten Operationskorridore grundsätzlich auch für Profisportler gelten.

Sollte Leroy tatsächlich bei Dr. Fink in Innsbruck vorstellig gewesen sein, so nehme ich an, dass genau dies besprochen wurde.

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Das „Hick-Hack“ um den möglichen Transfer von Leroy Sane zu den Bayern war für den Bayern-Fan subjektiv unendlich lange. Das Ende dieses Transfertraums erinnert an einen Hollywood Streifen. Speziell wenn man diesem Transferspektakel viel Aufmerksamkeit zugewendet hat.

Der medizinische Aspekt hinter Leroys Verletzung ist auf Grund der Tatsache, dass es hier um einen dreistelligen Millionenbetrag hinsichtlich der Ablösesumme geht in diesem Zusammenhang sehr interessant.

Die Medienlandschaft hat wild spekuliert und auch Dinge in die Welt gesetzt, die medizinisch nicht nachvollziehbar sind.

In diesem Blog möchte ich Sanes Leiden kurz zusammenfassen und auch die eine oder andere Mythe klarstellen.

Die exakte Diagnose ist im Moment nicht bekannt. Laut Medienaussage hat sich Leroy eine „Kreuzbandverletzung“ zugezogen, Näheres nicht klar bekannt. Ob es sich dabei um eine Partialruptur (=Teileinriss) oder um eine komplette Ruptur des Kreuzbandes handelt ist nicht bekannt. Nicht mal ob es sich um das vordere oder das hintere Kreuzband handelt. Wobei der Unfallmechanismus  doch stark auf eine Verletzung des vorderen Kreuzbandes hindeutet. Noch viel wichtiger in diesem Zusammenhang ist die Frage, ob es zu Begleitverletzungen im Kniegelenk gekommen ist. Kommt es zu eine vorderen Kreuzbandruptur (kompletter Riss des vorderen Kreuzbandes) so ist eine Begleitverletzung in einem hohen Prozentsatz gegeben/möglich.

Diese Begleitverletzungen sollten nicht als banal oder nebensächlich abgestempelt werden. Zu diesen Begleitverletzungen zählen zum Beispiel ein Innenmeniskusschaden, ein Aussenmeniskussschaden, Knorpelschäden und Seitenbandrupturen.

Die Nachbehandlung einer operierten isolierten vorderen Kreuzbandruptur erlaubt mit den modernen Fixationsmöglichkeiten der Bandplastik eine schienenfreie, vollbelastende Nachbehandlung mit nur geringen Einschränkungen. Dies erlaubt es, das Kniegelenk quasi direkt nach der Operation bereits schon im Sinne einer Rehabilitation zu beüben. Sollte es jedoch, wie oben beschrieben zu weiteren Verletzungen im Kniegelenk gekommen sein, so kann sich die Nachbehandlung doch deutlich verlängern oder gar bleibende Schäden nach sich ziehen. Ist etwa der Meniskus zusätzlich eingerissen und wird im Zuge der Operation genäht, so verzögert sich eine Rehabilitation mit Vollbelastung zumindest um 6 Woche, da das Beüben nur eingeschränkt möglich.  Ähnliches gilt für die Mitbeteiligung eines Seitenbandes. Hier wäre eine zusätzliche Operation und Schienenbehandlung in den meisten Fällen von Nöten.

Bei etwaigen zusätzlichen Knorpelschäden, welche deutlich seltenen vorkommen, können gar bleibende Schäden entstehen und eine lange nicht belastende Rehabilitation von Nöten sein..

Auf Grund dessen ist die präoperative MRT Abklärung so wichtig.

Im zugrundliegenden Fall von Leroy Sane kamen immer wieder die Gerüchte auf, dass eine MRT innerhalb von 20 Minuten nach dem Unfall durchgeführt werden  muss, da es sonst nur unzureichend beurteilbar ist. Angeblich wurde dies nicht gemacht weshalb zur Diagnosesicherung Tage später ein weiteres MRT durchgeführt werden musst. Erst diese MRT konnte Aufschluss über den Verletzungsgrad von Leroys Knie geben. Unterstrichen wurde die 20-Minuten-Theorie und damit verbunden die Diagnoseverzögerung bis in den D-Day der Premier League rein durch die Tatsache, dass Pep Guadiola schon damals als Trainer des FC Bayern München ein MRT Gerät direkt an der Säbenerstraße haben wollte um Knieverletzungen rasch abklären zu können.

So das Gerücht.

Ich konnte keine wissenschaftliche Arbeit über die 20-Minuten-Theorie finden und hatte davor auch noch nie darüber gehört. Ich denke, dass es sich hier hauptsächlich um Mediengerüchte handelt oder eher um erfahrungsbedingte, nicht auf Evidenz basierende Meinungen von Vertrauensärzten von Pep Guadiola. Die MRT ist grundsätzlich in der Akutphase etwas schlechter zu beurteilen als in der subakuten Phase wenn es um die Beurteilung einer Partialruptur des vorderen Kreuzbandes geht. Dieser Fakt sollte jedoch einer richtigen und schnellen Diagnose nicht im Weg sehen.

Stand jetzt ist mir aus den Medien lediglich ein „Anriss des vorderen Kreuzbandes“ bekannt. Weiters liest man, dass die Art der Verletzung grundsätzlich lediglich eine 3-monatige Verletzungspause benötigen würde. Auf Grund der anstehenden Operation würde sich diese Pause jedoch um weitere 3 Monate verlängern. Ich möchte euch hier kurz erklären wie diese Aussagen zu verstehen sind:

Der „Anriss“, oder medizinisch ausgedrückt Partialriss eines Kreuzbandes ist in der Fachliteratur viel diskutiert. Klar ist, dass es den Anriss gibt. Unklar ist jedoch welche Relevanz er hat speziell im Hinblick auf Diagnostik und Therapie.

Die Charakteristik einer Partialruptur des vorderen Kreuzbandes ist ein asymptomatischer (=negativer, nicht vorhandener) Lachmann Test. Ein Test der eine komplette Ruptur des vorderen Kreuzbandes,  durchgeführt durch einen erfahrenden Unfallchirurgen/Orthopäden in der Akutphase (sprich auf dem Spielfeld bzw. kurz danach) bereits zu fast 100% bestätigt. Im Regelfall wird natürlich noch eine verifizierende MRT Untersuchung durchgeführt. Nicht nur um die Ruptur auch bildgebend zu bestätigen, sondern auch um wie oben beschrieben etwaige weitere Verletzungen auszuschließen.

In den Medien, auf Twitter und Co. wurde genau das angeprangert – „ …wenn das Band durch ist, erkennt dies ein Sportarzt  doch sofort…“- Stichwort Lachman-Test.

Wie oben beschrieben ist der Lachman-Test bei einer Partialruptur („Anrissen“) negativ. Der Partialriss wird nur über die MRT Untersuchung festgestellt.

Die Behandlung des Partialrisses ist bei Leroy Sane sicher nicht die gleiche wie bei einem „Normalo“. Grundsätzlich können Partialrisse zunächst konservativ behandelt werden und erst  dann operative versorgt  werden, wenn der Patient dann nach einer gewissen Zeit eine Instabilität verspürt. Eine Operation kann somit evt. verhindert werden. Dieses „Abwarten“ dauert ca. 3 Monate.  Sollte dann jedoch eine Instabilität vorhanden sein wird der Partialriss wie eine komplette Ruptur behandelt. Also mit einer vorderen Kreuzbandplastik, einem Ersatz des lädierten Kreuzbandes durch körpereigene Sehnen (meist die Sehnen des Musculus semitendinosus und/oder Musculus gracilis).

Studien besagen das mehr als 50% der MRT-diagnostizierten Partialrisse in Wahrheit komplette Rupturen sind.

Bei einem Profisportler wie Leroy Sane wartet man diese 3 Monate nicht ab, sondern behandelt die Partialruptur wie eine komplette vordere Kreuzbandruptur da einerseits die Wahrscheinlichkeit sehr/zu hoch ist, dass das Kreuzband nach den 3 Monaten erst recht reißt und damit die Rehabilitation unnötig verlängert wird und zweitens der in der  MRT als Partialriss deklarierte Einriss in Wahrheit eine komplette Ruptur sein könnte.

Die Ausfallzeit nach einer vorderen Kreuzbandplastik wird in den Medien immer mit 6 Monaten angegeben. In Wahrheit sollte man als „Nicht-Profi“ Sportarten wie Fußball (Start-Stopp-Sportarten) und Skifahren ca. 9 Monate lang unterlassen. Bei  Profisportler wie Leroy Sane kann die Belastungsfähigkeit für Fußball grundsätzlich nach 6 Monaten durch  das  konsequente Durchführen einer Physiotherapie  erreicht werden. Studien zeigen jedoch, dass Profifußballer durchschnittlich erst nach 6,6 Monaten ins Mannschaftstraining wieder einsteigen und nach 7,4 Monaten wieder spielen (Walden et al). In einer Studie von Niederer konnte auch gezeigt werden, dass die Scorerpunkte, die Anzahl an angekommenen Pässe so wie die gespielten Minuten nach einer Kreuzbandoperation signifikant schlechter/geringer waren.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass bei Profisportler wie Leroy Sane eine Partialruptur des vorderen Kreuzbandes wie eine komplette Ruptur behandelt wird. Unklar ist, ob es Begleitverletzungen gibt welche die Rehabilitation weiter verzögern könnte.

Klarerweise ist die Medizin immer nur ein Nebenschauplatz im Fußball. Angesichts der immer weiter steigenden Ablösesummen und Spielergehälter rückt der Stellenwert der Medizin jedoch immer weiter in den Fokus, da Folgeschäden, bleibende Schäden und Minderung der Leistungsfähigkeit bei diesen Preisen doch noch akribischer zu beurteilen sind.

Categories: Sport

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